Darmstädter Echo vom 15. Aug. 2005, von Simon Schuppe
Alles in Mundart
Frankforder Gebabbel - Literaturinitiative präsentiert Musik und Texte aus Frankfurt
Darmstadt. Mit einem Eintracht-T-Shirt bekleidet betrat Frank Demant die Bühne. Aus Solidarität, hatten doch die Frankfurter Bundesliga-Aufsteiger auch im zweiten Saisonspiel erneut eine bittere Niederlage kassiert. Demant, Shooting-Star unter den deutschen Autoren, die sich selbst zu Markte tragen, eröffnete die Literarische Open-Air-Nacht der Literaturinitiative Darmstadt am vergangenen Samstag im Fohlenhof unter dem Motto "Mundart und Literatur aus Frankfurt". Neben Demant waren weitere Frankfurter Lokalgrößen zu Gast: Mario Gesiarz, Gründer des Frankfurter Mundart-Rezitations-Theaters "Rezi-Babbel", sowie die Sängerin Christine Richter mit Schauspieler und Frankfurt-Urgestein Hans Zürn, die Mundart musikalisch darboten. "Fleischworscht", "Frankforder Grie Soß" und Ebbelwoi stimmten das Publikum auch kulinarisch angemessen auf den Abend ein.
- Sachsenhausen in den Krimis des Frank Demant -
Frank Demant las aus seinen bislang drei "Sachsenhäuser Kriminalepisoden" und freute sich sichtlich, seine Werke endlich auch mal im "Ausland" vorstellen zu dürfen, in nahezu tadellosem Hochdeutsch. Seiner Lesung stellte er eine kleine Anekdote voran. So findet sich in seinem neuesten Roman ein Druckfehler, der bei Lesern, Buchhändlern und Veranstaltern Verwirrung gestiftet hat. "Tod im Ebbelwei-Expreß" lautet der Titel des Buches. Doch gleich auf der ersten Innenseite ist von "Mord im Ebbelwei-Expreß" zu lesen: Der Layouter hatte sich zu sehr von Agatha Christies berühmten Krimi "Mord im Orientexpress" ablenken lassen.
Vielleicht läuft Demants Buch auch wegen dieser Ähnlichkeit so gut, dass er nach 21 Jahren Taxifahrerdienst nun seinen Job an den Nagel und sich voll auf die Eigenvermarktung seiner Bücher konzentrieren kann. Zentraler Schauplatz der Geschichten ist das Frankfurter Kneipenviertel Sachsenhausen. Hier erhält Demant auch den Großteil seiner Ideen, denn - wie er sagt - "es wird viel dummes Zeug gebabbelt in Dribbdebach", wie Sachsenhausen als die dem Stadtzentrum gegenüberliegende Mainseite bezeichnet wird.
Die Vereinigung der beiden allzeit konkurrierenden südhessischen Mundartmetropolen war im Fohlenhof sowohl für den Schriftsteller wie auch das erheiterte Darmstädter Publikum schnell zu akzeptieren. Demants Ausführungen zur Frankfurter Kuriosität "Nackter Jörg" und dem östlich gelegenen Nachbarn Offenbach ("die sind da schon anders") trafen den Humor der zahlreichen Gäste.
Mario Gesiarz führte das Publikum noch weit tiefer ein in die Eigenheiten der Frankfurter Mundart. So betonte er den inflationären Gebrauch des Wortes "als", gehe er doch "als spaziere, wenn die Sonne als scheint". Gesiarz sang und erzählte aus Leben und Lebenswerk der Frankfurter Mundartlegenden Karl Ettlinger und Friedrich Stoltze ("der Godfather der Frankforder Mundart") und betonte dabei auch Stoltzes politische Satiren.
Die Gäste aus Frankfurt überzeugten mit ihrer Leidenschaft für ihre Mundart. So wurde auch dem von Christine Richter und Hans Zürn zum Finale vorgetragenen Liebesgedicht auf Frankfurt in den wolkenlosen Heiner-Himmel hinein wohlwollend gelauscht: "Es is kaa Stadt uff der weite Welt, die merr so wie mei Frankford gefällt, un es will merr net in mein Kopp enei: Wie kann nor e Mensch net von Frankford sei!"