Frankfurter Neue Presse vom 18. Okt. 2005

Presse >>

von Julie Bayer

"Er löst den Fall auf jeden Fall"

Während es in Deutschland langsam, aber sicher kälter wird und sich der Winter ankündigt, rüstet sich Frank Demant für seinen Urlaub in Namibia. Der Frankfurter Autor, der jüngst seinen dritten Roman "Tod im Ebbelwei-Expreß" veröffentlichte, wird seinen bereits begonnenen vierten Krimi aus der Simon-Schweitzer-Reihe unter der strahlenden Sonne des einst unter deutscher Kolonialherrschaft stehenden Landes beenden.

Auf nebelverhangene Herbst- und düstere Wintertage will der 46-jährige Schriftsteller künftig verzichten. Demant, der bis vor kurzem als Taxifahrer arbeitete, hat seinen Beruf nach 21 Jahren an den Nagel gehängt und will fortan nur noch sechs Monate im Jahr in Frankfurt und die übrige Zeit in Asien leben. Der Erfolg seiner Bücher, von denen nach Angaben des Autors bislang 15.000 Exemplare verkauft wurden, macht es möglich.

Vor seiner Abreise in den Süden hat Demant allerdings noch alle Hände voll zu tun. Es gilt, den von ihm gegründeten Röschen-Verlag neu zu organisieren. "Bisher habe ich alle Buchhandlungen in Frankfurt und bis hin nach Heidelberg selbst beliefert. Künftig wird ein professioneller Verlagslieferant diese Arbeit übernehmen", sagt der Sachsenhäuser, der seine Romane in diesem Jahr erstmals auf der Frankfurter Buchmesse ausstellen wird.

Die Rechte an seinen Büchern, die Demant jedes Jahr um einen weiteren Simon-Schweitzer-Krimi ergänzen möchte, will der 46-jährige behalten. Das war nicht immer so. "Ich habe lange Zeit vergeblich nach einem Verlag gesucht. Inzwischen komme ich sehr gut alleine zurecht." Während seine ersten beiden Krimis "Immer horche, immer gugge" (2003) und "Geiseldrama in Dribbdebach" (2004) einzig in den Filialen der Buchhandlung Naacher und über ihn persönlich erhalten gewesen seien, stünde der "Tod im Ebbelwei-Expreß" in allen Frankfurter Buchhandlungen zum Verkauf. Von den 5000 in Erstauflage gedruckten Exemplaren, die jeweils neun Euro kosten, seien in den vergangenen vier Monaten knapp 3000 verkauft worden, berichtet der Autor.

Die Gründe für den Erfolg seiner Werke vermutet zum einen in ihren vielfältigen Bezügen zu Frankfurter Kneipen, Plätzen, Wahrzeichen und Persönlichkeiten, wie etwa dem "Nackten Jörg", der auch im jüngsten Roman einen publikumswirksamen - und auf einer tatsächlichen Begebenheit beruhenden - Auftritt hat.

Zum anderen schätzt seine größtenteils weibliche Leserschaft den bisweilen flapsigen Sprachstil und die Situationskomik, die seine Romane kennzeichnen. "Meine Bücher sind nahe dran am Alltagsleben der Frankfurter." Durchaus bodenständig kommt denn auch Simon Schweitzer daher, den Demant als "dick, behäbig und ziemlich arbeitsfaul" beschreibt. In seinem jüngsten Fall ermittelt der leidenschaftliche Nachtschwärmer, der seine Kneipentouren durch gelegentliche Aushilfsarbeit in der Dribbdebacher Detektei seines Schwagers finanziert, gegen Schutzgelderpresser der russischen und italienischen Mafia.

Mit tatkräftiger Unterstützung der bedrohten Ebbelwei-Kneipiers und der Sachsenhäuser Bevölkerung gelingt es Schweitzer, die Mafiabanden gegeneinander auszuspielen. Schließlich kommt es im Ebbelwei-Expreß zum blutigen Showdown, bei dem zwei Menschen ihr Leben lassen müssen.

Anders als seine früheren Romane setzt Demants jüngstes Werk mitten in der Hitze des Gefechtes ein. Erst zwei Seiten später beginnt der Autor im Rückblick zu schildern, wie es dazu kam, daß "an einem lauen Frühlingsvormittag auf der Ignatz-Bubis-Brücke plötzlich so viele Menschen so mir nichts, dir nichts aufeinander schossen".

Der stets unterschiedliche Aufbau der Krimis ist kein Zufall: Demant, der rund ein halbes Jahr an seinem neuen Buch schrieb, möchte Schemata vermeiden. "Ansonsten verlieren die Geschichten ihre Spannung, was bei Romanen ja nicht selten der Fall ist." Gerade weil Demant um die Unverwechselbarkeit jedes seiner Werke bemüht ist, fürchtet er den Wiedererkennungseffekt nicht. "Mein kommender Roman, der nächstes Jahr erscheinen soll, setzt sich außerdem auch inhaltlich deutlich von seinen Vorgängern ab. Simon Schweitzer ist diesmal einem Alt-Nazi auf der Spur, dessen Verbrechen Jahre zurück liegt."

Zurück