Von seinem Schöpfer huckepack getragen, meistert Simon Schweitzer mühelos die 196 Stufen zur Aussichtsplattform des Goetheturms. Sonst ist die Verbrecherjagd sein Geschäft - inkognito. Heute rückt er ins Rampenlicht. Er wird vorgestellt. Dick sei sein Ermittler, sagt der Schriftsteller Frank Demant, der Schöpfer Schweitzers. "Dick, behäbig und ziemlich arbeitsfaul."
Mit Blick über den Stadtwald und den Handlungsort der Kriminalromane, Sachsenhausen, bringt der stadtbekannte Autor seinen Zuhörern die Hauptfigur der Geschichten, den Ermittler Simon Schweitzer, näher - eine Lesung in 40 Metern Höhe.
Während Leser und Hörer in luftiger Höhe frieren, ermittelt die Hauptfigur in "Simon Schweitzer - immer horche, immer gugge" wegen der Morde an zwei Polizisten, die beim Protest gegen die Startbahn West ums Leben kamen, und an Maria von der Heide, "die mit der atemberaubenden Figur". Selbst Opfer des Verbrechens, wird der Ermittler in einer Bankfiliale im Buch "Geiseldrama in Dribbdebach".
Krimis möchte Frank Demant seine Bücher nicht nennen. "Die Geschichten sind eine Mischung aus Krimi und Abenteuer." Vor allem liege ihm daran, Charaktere aus seiner Wahlheimat Sachsenhausen zu beschreiben. Auch Fremde wie Japaner und Araber, studierte der Schriftsteller genau. Sogar der wohl den meisten Frankfurtern bekannte "Nackte Jörg" findet Platz in einem der Werke.
Beruhte Demants erstes Buch "Tagesgeschäfte", nach Angaben des Autors bis auf drei Morde noch auf wahren Begebenheiten, begab er sich mit den beiden Büchern um Simon Schweitzer in das Reich der Fiktion. "Ich wollte die Charaktere und die Geschichten selbst erfinden", sagt er. "Da kann ich meiner Fantasie freien Lauf lassen." Gänzlich aus der Luft gegriffen sind die Geschichten dennoch nicht. Und wer sich auskennt in Sachsenhausen, erkennt oft die umbenannten Handlungsorte wieder.
Wenn Demant nicht schreibt, verdient er sein Geld als Taxifahrer. Viel Kontakt hat er so zu Besuchern und Einwohnern der Stadt. Sobald er eine interessante Geschichte hört oder ihm Sonderheiten auffallen, zückt er seinen Kugelschreiber und hält die Momente auf kleinen Zetteln fest. So findet auch der Alltag Berücksichtigung in den Geschichten des 45 Jahre alten Schriftstellers. "Wenn ich keinen Fahrgast habe, kann es schon vorkommen, dass ich kurz an den Straßenrand fahre, um etwas zu Papier zu bringen."
Am dritten Buch schreibe er bereits. "Es handelt von Schutzgelderpressung in Sachsenhäuser Apfelweinkneipen" - Handlung erfunden. Schluss mit Schreiben sei lange noch nicht. "Ich habe noch Ideen für viele weitere Bücher." Jedes Jahr wolle er eine Geschichte mit Simon Schweitzer herausbringen.
Eingeladen zur Lesung hatte die CDU Sachsenhausen Mitte. Anlass sei das Literaturfest der Stadt Frankfurt, LiteraTurm. "Es kann doch nicht angehen, dass auf dem einzigen Turm Frankfurts mit dem Namen eines Schriftstellers keine Lesung gehalten wird", sagt der Vorsitzende, Jochen Heumann. Im kommenden Jahr könne er sich vorstellen, die Lesungen unter dem Motto "Goethe auf dem Goetheturm" fortzusetzen. "Dann aber zu einer wärmeren Jahreszeit." (gin)