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Frankfurter Neue Presse vom 3. Juni 2004, von Julie Bayer |
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In seinen Krimis rauscht dieser Taxi-Fahrer in die Unterwelt
Für die Ermittlungsarbeit britischer und schwedischer Fernsehkommissare hat Frank Demant viel übrig. Wenn Wallander, Beck und Co. die Abgründe hinter den mehr oder minder intakten bürgerlichen Fassaden freilegen, schaut der 45-Jährige ganz genau hin. Sozusagen aus professionellem Interesse, denn der gebürtige Fechenheimer, der seit 20 Jahren in Frankfurt arbeitet, ist leidenschaftlicher Krimiautor. Sein literarisches Hobby zum Beruf zu machen, ist Demants großer Traum. Mit der Veröffentlichung seines dritten Werkes, "Geiseldrama in Dribbdebach", ist er ihm einen Schritt näher gekommen. Denn die zweite Episode um den Sachsenhäuser Nachtschwärmer Simon Schweitzer, der diesmal in die Hände eines Geiselnehmers gerät und mit kessen Sprüchen seine Haut zu retten versucht, verkauft sich gut. "Vom ersten Band haben wir 500 Exemplare verkauft, und das jetzt erschienene zweite Buch macht Harry Potter Konkurrenz", sagt Jörg Rahn von der Buchhandlung Naacher, die Demant jüngst zur Signierstunde bat, mit einem Augenzwinkern. Für den Buchhändler ist der Erfolg des Krimis jedoch nicht verwunderlich, strotzt er doch vor amüsanten Dialogen und satirischen Seitenhieben auf die Stadtteilpolitik. Weil die Figuren seines Romans es nicht bei verbalen Angriffen auf missliebige Politiker bewenden lassen, hält Demant sein Buch für Leser unter 16 Jahren nicht geeignet. Interessant sei es vor allem für Krimifreunde und Sachsenhäuser, die die zahlreichen Querverweise auf Kneipen, Kirchen und lokale Berühmtheiten, wie den "Nackten Jörg", nachvollziehen könnten.
Seine Inspiration zieht der 45-Jährige übrigens nicht aus Taxifahrten mit unheimlicher Klientel, auch wenn er selbst schon einmal Opfer eines bewaffneten ‹berfalls wurde. Vielmehr lässt seine blühende Fantasie Frank Demant selten im Stich, beim Kochen oder Taxifahren fallen ihm Geschichten ein, die er schnell notiert und später in seine Texte einbaut. Außerdem liest er gerne. Die moderne Technik kommt ihm dabei entgegen. So sei es früher, als die Taxen noch über Sprechfunk mit der Zentrale kommunizierten, kaum möglich gewesen, während der Arbeitsschicht anspruchsvolle Bücher zu lesen. "Man hört ja jede Durchsage, gleichgültig, an wen sie gerichtet war, und wurde so dauernd abgelenkt." Inzwischen verläuft die Verständigung über Bildschirme - lautlos und leserfreundlich.
Während die Simon-Schweitzer-Reihe, zu der der Autor künftig jedes Jahr eine neue Episode veröffentlichen möchte, keinen Bezug zu authentischen Kriminalfällen hat, arbeitete Demant in seinem Erstlingswerk, einem Wirtschaftskrimi aus dem Frankfurter Bankenmilieu, sozusagen ein Stück Familiengeschichte auf. "Mein Vater, der als Sachbearbeiter bei einer Bank angestellt war, hatte gegen seinen Arbeitgeber Anzeige wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung erstattet. Der Prozess kam der Bank teuer zu stehen, und meine Familie lebte damals doch in Angst um sein körperliches Wohl." ‹ber die literarischen Ambitionen seines Sohnes zeigte der Vater sich gleichwohl erfreut. Die Simon-Schweitzer-Krimis bewirbt er in seinem Bekanntenkreis.
Was Titelbildgestaltung und Lektorat anbelangt, greift Demant, der seine Bücher selbst verlegt hat, auf alte Schulfreunde zurück. Die Unterstützung ist vonnöten, denn dem vom Erfolg seiner Werke selbst ein wenig überraschten Schriftsteller droht die organisatorische Arbeit über den Kopf zu wachsen. Um sich künftig ganz aufs Schreiben konzentrieren zu können, sucht er nun nach einem Verlag für seinen nächsten Roman. Der spielt - natürlich - in Sachsenhausen und entführt den Leser in die Unterwelt: Simon Schweitzer legt sich in vertraut selbstbewusster Manier mit der Schutzgeldmafia an.
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