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Frankfurter Rundschau vom 22. Sept. 2004, von Stephan Loichinger |
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Taxifahren liefert Stoff fürs Krimi schreiben
- Frank Demant aus Sachsenhausen hat mit Romanheld Simon Schweitzer den Traum vom Schriftsteller- Dasein wahr gemacht -
Taxifahrer können beim Warten auf Kundschaft lesen, können dösen, Leute gucken - oder Krimis schreiben. Der Frankfurter Frank Demant tut Letzteres. Mit Erfolg. Seine Simon-Schweitzer-Krimis verkauft er im eigenen Röschen-Verlag wie warme Semmeln. Und wenn er dazu mal keine Lust mehr hat, zieht er auf eine Insel.
Simon Schweitzer, Anfang 40, lebt in einer Wohngemeinschaft in Sachsenhausen. Er ist ein guter Kerl und einer, der den lieben Gott gern mal einen guten Mann sein lässt. Manche finden ihn vielleicht faul, doch er kann es sich leisten, er hat gut geerbt. Und er tut ja auch was: Liest ausführlich die Frankfurter Rundschau, macht sich Gedanken über vieles, pflegt seine Kneipenbekanntschaften, kauft hin und wieder einen Brocken Haschisch, observiert im Auftrag der Dedektei seines Schwagers Leute. Wenn es sein muss, klärt er Morde und Kriminalfälle auf. Ist Simon Schweitzer schlau? "Ja, schon", sagt Frank Demant. "Er lässt viel auf sich einwirken und er verlangt von sich zu agieren, wenn es nötig ist." Aber auch nur dann, oder? "Ja, haha."
Frank Demant, 45 Jahre alt, verließ die Helmholtzschule vor dem Abitur. Anderes war ihm wichtiger, Fußballspielen zum Beispiel. Er wollte zur Marine, stellte aber fest, dass er schnell seekrank wird. Er arbeitete ein Jahr lang als Deutschlehrer in Barcelona. Er hatte "verschiedene Aushilfsjobs", sagt er. "Taxifahren ist gut wegen der freien Zeiteinteilung. Man kann jede Fete besuchen." Er vertrieb sich das Warten am Taxistand, indem er Bücher las. Irgendwann griff er zum Stift und schrieb auf, was er beim Taxifahren sah oder von Fahrtgästen hörte oder was ihm halt so einfiel. Den ersten Simon-Schweitzer-Krimi über den Mord an einem Lokalpolitiker, "Simon Schweitzer - immer horche, immer gugge", hat Demant nach eigener Aussage "fast ausschließlich im Taxi geschrieben".
- Notizen auf kleinen Zetteln -
Das Schreiben geht bei Frank Demant so: Was ihm einfällt oder zu Ohren kommt, notiert er auf kleinen Zetteln, die er aus seiner Geldbörse zieht. Das können dumme Sprüche, witzige Geschichten, interessante Anekdoten sein. Zettel und Kugelschreiber trägt Demant immer bei sich. Die Zettel sammelt er daheim in der Textorstraße in einer Box. Er hat darin, sagt er, "mittlerweile Stoff für fünf Bücher". Ein Buch bastelt er aus einigen der gesammelten Ideen "plus einer Rahmenhandlung" zusammen.
Frank Demant mag am Schreiben: "Ich kann dabei meine Fantasie ausleben und mich über gelungene Formulierungen freuen. Ich lach' manchmal selbst über die Sachen, die ich schreibe. Ich hab' viel Unfug im Kopf. Ich will mit dem Ernst des Lebens so wenig wie möglich zu tun haben."
Sich an den Computer zu setzen und zu schreiben, koste ihn immer wieder überwindung, sagt Demant. "Wenn ich mal drin bin, dann flutscht's. Ich schreibe aber nicht länger als zwei, drei Stunden. Nach vier Buchseiten am Tag ist Schluss. Sonst würde die Qualität leiden." An einem Simon-Schweitzer-Krimi sitzt er ein halbes Jahr.
Der erste Band mit dem fidelen Freizeitfahnder ist im vorigen Jahr erschienen, zuerst in einer Auflage von 300 Exemplaren. "Ich hab' gedacht, wenn die nach zwei, drei Jahren weg sind, ist alles okay. Aber dann waren sie schon nach elf Wochen verkauft", sagt Frank Demant, der daraufhin nochmal 2000 Stück von "Immer horche, immer gugge" drucken ließ und bislang 2200 Exemplare verkauft hat und "nie, nie, nie" damit gerechnet hätte, dass es so gut läuft mit den Simon-Schweitzer-Krimis. Er sagt, mittlerweile verdiene er mit seinen Büchern mehr als mit dem Taxifahren, das er "wegen des Verkehrs und der Abgase" ohnehin auf eine Schicht in der Woche reduziert hat. Vor kurzem hat er den zweiten Band veröffentlicht, "Geiseldrama in Dribbdebach". Jedes Jahr soll ein neues Buch in der Reihe erscheinen, insgesamt acht oder zehn. Die Story für das dritte steht schon: Die Mafia will Schutzgeld von Sachsenhäuser Apfelweinwirten erpressen, und die wehren sich natürlich.
Die Bücher spielen so gut wie ausschließlich in Sachsenhausen. Simon Schweitzer wagt sich nur in Notfällen über den Main. Und der Autor? Der schon, doch. Frank Demant ist in Fechenheim geboren und wohnt seit zehn Jahren in Sachsenhausen, das aber aus überzeugung. "Hier gefällt es mir am besten in Frankfurt. Es ist gemütlich. Und ich spiele seit zwanzig Jahren hier Fußball, beim TSV Taras Sachsenhausen." Im Taxifahrer-Sportverein ist er Verteidiger und offenbar nicht immer voll bei der Sache. Den Spruch "Küss' doch mal einer das Dornröschen wach" hat er so oft gehört, dass der Spitzname Röschen an ihm hängen blieb.
- Röschen-Verlag aus Ärger -
Das führt uns zum Verlag der Simon-Schweitzer-Krimis. Frank Demant hat den Röschen-Verlag selbst gegründet aus Ärger über den Verleger seines allerersten Buchs. Das erzählt die Geschichte seines Vaters, der bei einer deutschen Großbank gemobbt wurde und sich rächte, indem er den Finanzbehörden anzeigte, dass die Bank in großem Stil ihren Kunden beim Steuerhinterziehen half. Der Verleger des Buchs habe ihn "übers Ohr gehauen". So entstand der Röschen-Verlag. Demant gibt auf seiner Internetseite Tipps, wie man einen Verlag gründet. Er selbst sucht jetzt nach einem anderen Verlag für seine Bücher, weil ihm die Arbeit mit dem Selbstverlag zu viel wird.
Seit er das erste Buch geschrieben habe, lese er Bücher anders, sagt Demant. "Ich gucke: Wie schreiben die?" Er schätzt die Krimis von Henning Mankell und den Stil in Sven Regeners "Herr Lehmann". "Oft passiert da eigentlich nichts, aber dabei passiert doch 'ne Menge. Tolle Situationskomik."
Den Traum vom Schriftstellersein hat Frank Demant sich erfüllt. "Die Schwerpunktverlagerung ist vollzogen", vom Taxi hin zur Schreibstube. Und der große Traum vom Leben auf einer Insel unter Palmen mit einem Bücherstapel? "Der wird in Angriff genommen". Eine thailändische Insel, Koh Samui vielleicht, ist das Ziel, wo es einmal nicht nur für ein paar Wochen im Winter, sondern für immer hingehen soll. Frank Demant lernt jetzt Thai, denn es ist einfach so: "Die Mentalität dort gefällt mir. Die sind so relaxt und freundlich. Ich lass' mich immer noch ab und an stressen. Mein Fernziel ist, vollkommen entspannt zu sein."
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