Fußball kicken, Taxi fahren, Krimis schreiben - in unserer Serie stellt Journal-Autor Thorben Leo diesmal Frank Demant vor. Der Taxifahrer ist ein Sachsenhäuser Original, das wie sein Romanheld Simon Schweitzer nur allzu gern den Laisser-faire-Stil pflegt.
Frank Demant fährt Taxi. Seit zwanzig Jahren. Genauso lang kickt er beim Sachsenhäuser Fußballverein Taras (Taxi Rasensport) Frankfurt. Ein Verein, gegründet von Taxifahrern, seit Jahren in der untersten deutschen Liga etabliert - absteigen ist also kein Thema. Nach meist nicht ganz so schweißtreibendem Training liebt es der 45-jährige, mit den Kumpels in einem Bretterverschlag nahe des Rasenplatzes bei Äppler und Bier zu sitzen und bis in die Nacht hinein zu philosophieren. Hätte sein Vater nicht bei der Commerzbank als gewissenhafter Banker gearbeitet, hätte Frank Demant die nächsten zwanzig Jahre wohl so weitergemacht.
Doch Vater Werner zeigte 1996 seinen Arbeitgeber wegen Steuerhinterziehung an und löste damit den bislang größten Bankenskandal der Bundesrepublik aus. Vater Demant sollte Gelder von Kunden auf Konten nach Luxemburg transferieren. Akribisch kopierte er damals ein Jahr lang jedoch die Vorgänge und überreichte der Staatsanwaltschaft Frankfurt die Beweise. "Der Maulwurf" titelte der Spiegel, 220 Millionen mussten die Commerzbänkler zur Einstellung der Verfahren zahlen. Demant wurde entlassen, gewann zwar sämtliche Prozesse, fürchtete dennoch eine Zeit lang um sein Leben.
- Sein Held: ein Nachtschwärmer, Kneipenbesitzer, neugieriger Mensch, der den Mittagsschlaf liebt -
Was das alles mit dem Leben von Sohn Frank Demant, dem kickenden Taxifahrer, zu tun hat? Der hat es aufgeschrieben. "Tagesgeschäfte" heißt der Frankfurter Wirtschaftskrimi nach der wahren Begebenheit. Die bewegende Geschichte des mutigen Vaters hat ihn zum Schreiben inspiriert. So sehr, dass er nach Erscheinen seines ersten Buches einfach weitermacht. Er hat sogar wegen schlechten Erfahrungen mit Verlegern seinen eigenen, den Röschen-Verlag gegründet. "Immer horche, immer gugge" heißt das erste Buch der Kriminalromanserie um den Sachsenhäuser Privatier Simon Schweitzer. Ein Nachtschwärmer, Kneipensitzer, neugieriger Mensch, der den Mittagsschlaf liebt und durch seine vielen Kontakte immer über die richtigen Informationen verfügt. Jetzt ist Demants dritter Roman (www.simon-schweitzer.de) erschienen, der die Geschichten währen der Wartezeiten im Taxi zu Papier bringt. Von dort aus verkauft er u.a. auch seine Bücher. Simon Schweitzer ist diesmal der Schutzgeldmafia, die Sachsenhäuser Wirte erpresst, auf der Spur. Aus "Tod im Ebbelwei-Expreß" liest Frank Demant auch schon mal in der Frankfurter "Kultbahn" beim Stöffche vor. Ansonsten hat man gute Chancen, den schreibenden Taxifahrer in seinem fahrbaren Arbeitsplatz zu erwischen. Oder im Bretterverschlag in der Nähe des Fußballplatzes. Nach hartem Training.