Tipps zum Selbstverlag

Viele frische, neue, junge Autoren stehen, nachdem die letzten Seiten geschrieben sind, oft wie die sprichwörtliche Kuh vorm Berge - sie wissen nicht, was tun, nun. Beziehungsweise glauben, ihr Manuskript bei möglichst vielen Verlagen einsenden zu müssen, auf daß es irgendwer schon nehme. So dämlich war ich auch mal und habe dabei reichlich Lehrgeld zahlen müssen. Doch nun, neun Jahre und vielerlei Recherchen später, bin ich schlauer (habe also tatsächlich dazugelernt) und verdiene sogar den Lebensunterhalt mit meinen Büchern, die ich im Selbstverlag herausbringe. Okay, dazu muß gesagt werden, daß der Röschen-Verlag schon seit geraumer Zeit der erfolgreichste Selbstverlag aller Zeiten in der deutschen Literaturgeschichte ist. 100.000 verkaufte Bücher - (voraussichtlich Ende 2011) - sprechen für sich. Angebote anderer Verlage, meine Bücher herauszubringen, habe ich stets abgelehnt. Und werde dies auch weiterhin tun.
Zu Eurer Information sei folgendes vorausgeschickt: Verlage ersticken förmlich in einer Flut von Manuskripten. Auch ist - Hand aufs Herz - allerlei Schrott dabei. Es ist daher vom kommerziellen Standpunkt aus betrachtet verständlich, wenn Autoren bevorzugt werden, die schon veröffentlicht haben oder zumindest schon als Journalist zu einigem Ansehen gekommen sind. Auch wird lieber der ausländische Markt nach verwertbarem Material durchforstet. Dafür haben etliche große Verlage Leute auf einer Honorarbasis beschäftigt, die an Ausbeutung heranreicht (ich weiß von was ich rede, eine Freundin von mir hatte einen solchen Job).
Die Chance, daß ein seriös arbeitender Verlag sich deines Buches annimmt, ist - vorsichtig geschätzt - eins zu mehreren hundert. Also eigentlich gleich null. Kapiert es bitte und sagt es Euch laut vor: gleich null. Und genau aus diesem Grunde tummeln sich in dieser Branche ganz, ganz viele schwarze Schafe. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn man erkennt sie leicht; sie verlangen Geld!!! Und davon in der Regel viel. Sei es, daß es als Druckkostenzuschuß getarnt oder mit dem "Risiko", daß der Verlag angeblich trägt, begründet wird. Ein seriös arbeitender Verlag ist in der Lage, das Risiko einzuschätzen, das gehört schließlich zum Beruf seiner Mitarbeiter. Verlage, die also auf dieses Risiko hinweisen, sind logischerweise ihrer Aufgabe nicht gewachsen und von vorneherein zu meiden.
Bei dem Verlag meines ersten Buches (Mauer-Verlag aus Rottenburg) war es sogar so, daß dieser Herr mir im nachhinein zuzüglich zu dem schon vereinbarten Preis noch die Mehrkosten für eine farbige Titelbildgestaltung sowie Porto- und Versandkosten aufdrücken wollte. Vergeblich, denn ich begann mich zu wehren. Als es dann an das Autorenhonorar ging, stellte sich heraus, daß der Mauer-Verlag in etwa drei Monaten, in denen ich selbst bereits über hundert Exemplare verkauft hatte, sage und schreibe vier!!! Bücher (das habe ich schriftlich) an den Mann gebracht hat. Da fragt man sich doch willkürlich nach der tatsächlichen Aufgabe eines Verlages, der Verkauf von Büchern kann es ja wohl nicht sein. (Dieses Buch ist inzwischen bei mir im Verlag über 6.000 mal verkauft worden, Titel: "Tagesgeschäfte".) Warum sich solche Druckereivermittler - denn nichts anderes sind sie letztendlich - Verlage nennen dürfen, ist mir mehr als schleierhaft. Der Gesetzgeber sollte da mal langsam einen Riegel vorschieben. Merkt Euch also: Hände weg von solchen "Verlagen".
Es gibt nur einen einzigen Grund sich an einen solchen Verleger zu wenden: Ihr habt zuviel Geld und wißt Euch nicht anders zu helfen. Doch der Unwissenheit kann man begegnen. Ist Euer Buch halbwegs hübsch aufgemacht und stilistisch einigermaßen gut geschrieben, dürfte es kein Problem sein, die Kosten nach einem bis drei Jahren wieder drin zu haben. Das hört sich zwar ernüchternd an, aber erstens ist das Geldverdienen in der Literaturbranche sowieso eine oft ernüchternde Angelegenheit, und zweitens ist der Weg des Selbstverlags immer noch besser, als das Geld einem dieser überflüssigen Zeitgenossen in den Rachen zu werfen.
Eine Ausnahme hiervon bildet die Fachliteratur, bei der ein Fachverlag meist unerläßlich ist. (Ein Buch über das Brunstverhalten in die Jahre gekommener Blauwale zum Beispiel dürfte in Eurer Stammkneipe nur wenig Resonanz finden.) Und solltet Ihr allen Unkenrufen zum Trotz zu den wenigen Glücklichen gehören, die einen Verlag gefunden haben, so heißt das noch lange nicht, daß Ihr vor der großen Abzocke sicher seid. Nehmt Euch einfach mal ein paar Stunden Zeit - so wie ich es auch gemacht habe, leider zu spät - und surft im Internet. Gebt so Schlagworte wie Betrug, Autorenhonorar, Prozeß Honorarverlag, Druckkostenzuschuß etc. in die Suchmaschine ein und siehe da: Das Internet ist voll von Autoren, die von ihren Verlegern hereingelegt wurden.
Einen sehr aufschlußreichen Bericht - "Mit Herzblut in den Ruin" - über das Treiben dieser schwarzen Schafe im Gewerbe gab es mal auf Spiegel-online. Schaut einfach mal nach, ob er noch verfügbar ist. Außerdem gibt es jede Menge Bücher, die Euch bei der Verlagssuche weiterhelfen. Im Internet und in Buchhandlungen werdet Ihr sie finden. Die Ausgabe lohnt sich auf jeden Fall. Ein anderer sehr preiswerter, in letzter Zeit immer beliebter werdender Weg ist Book on demand (BoD). Nachteil: Euer Buch wird zu teuer sein - die Preisgestaltung dort läßt es einfach nicht zu, ein Buch zu einem marktgerechten Preis herauszubringen. 

 
Ganz besonders bei der Vertragsunterzeichnung sind zu beachten:

  • Das Autorenhonorar liegt zwischen 5 und 10 Prozent. Seht zu, daß Ihr am Erfolg beteiligt werdet, d.h. spätesten bei der zweiten Auflage solltet Ihr mindestens sechs Prozent vom Netto-Verkaufspreis (ohne MwSt.) erhalten. Die Kosten des Verlages sind in der Regel mit einer Auflage eingefahren.
  • Der Verlag darf die Buchrechte nicht an Dritte verkaufen. Das wird meist dazu genutzt, Eure Bücher zu verramschen, was Euer Honorar drastisch senkt.
  • Die Einnahmen aus dem Verkauf der Filmrechte (kommt zwar selten vor, ist aber im Fall der Fälle eine sagenhafte Einnahmequelle) werden in der Regel fifty-fifty geteilt.
  • Der Verlag sollte jedes Jahr die Verkaufszahlen offenlegen.
  • Spätestens ab der zweiten Auflage sollte regelmäßig Geld auf Eurem Konto eingehen.
  • nehmt am besten zu den Vertragsverhandlungen eine Person Eures Vertrauens mit, allzu leicht erliegt man nämlich den Rhetorikkünsten des Verlegers. Immer daran denken: Dieser Mensch handelt nicht aus Menschenliebe, sondern möchte Geld mit Euch verdienen.
  • laßt Euch auf jeden Fall in den Vertrag schreiben, das die Rechte an dem Buch bei Vertragsbruch seitens des Verlegers umgehend an Euch zurückgehen. (Ich selbst hatte das unverschämte Glück, daß mein Verleger im Rahmen unserer unschönen Auseinandersetzung mir die Buchrechte per Fax zurückübertragen hatte.)
  • Ganz wichtig: Der Verlag hat Euch über jede neue Auflage zu informieren. Das wird gerne "vergessen". Die Gründe könnt ihr Euch ja denken.


Kommen wir nun zu dem, was euch am meisten interessieren dürfte: Wie verlege ich mein Buch selbst?
 
Der Selbstverlag

1.) Ihr geht aufs Gewerbeamt und meldet Euren Verlag an. Das dürfte so um die 25/30 Euro kosten. Dort interessiert man sich ausschließlich für Euren Namen und Adresse. Der Verlagsname (sofern es keine GmbH oder GbR ist) ist denen völlig egal.

2.) Wenn ihr wollt, denkt euch einen Phantasienamen aus (ich habe einfach meinen Spitznamen genommen, nicht etwa, weil ich wie eine Rose dufte, aber das ist eine andere Geschichte ...)

3.) Titelbildgestaltung. Es gibt so gut wie keinen Freundeskreis in Deutschland, von dem nicht mindestens einer einen Malkurs in der Toskana belegt hat. Schnappt sie/ihn Euch also und erklärt ihr/ihm, wie Ihr Euch das zum Buchinhalt passende Bild vorstellt. Auch Linoleumschnitte und Photographien kommen in Frage. Nur zu, Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

4.) Jetzt wird's schwieriger, da aufgrund der anhaltenden Bildungsmisere in der BRD immer weniger Menschen die Rechtschreibung beherrschen. Das Rechtschreibprogramm eures Computers kann eine erste Hilfe sein, doch ist diese Pfeife selten (noch nicht) in der Lage, einen Dativ von einem Akkusativ zu unterscheiden. Laßt Euer Manuskript am besten von mehreren Leuten, die von sich behaupten, des Deutschen mächtig zu sein, gegenlesen. Wegen des Schriftbildes: Orientiert Euch bitte an Verlagen wie Diogenes, Suhrkamp, Eichborn etc. Viele, gerade kleinere Verlage arbeiten diesbezüglich sehr, sehr unseriös. Um Kosten zu sparen, wird der Text einfach ins Programm einlaufen gelassen, ohne danach noch einmal zu kontrollieren, ob alles seine Richtigkeit hat!!!

5.) Und nun geht's ans Eingemachte - Ihr müßt für Eure Druckerei nämlich eine CD erstellen, auf der alles drauf ist, was der Drucker braucht. D.h., Ihr braucht ein Programm, das den Seitenumbruch vornimmt und z.B. das Titelbild aufs richtige Format bringt. Auch werdet Ihr noch ein paar Stunden für die Trennungszeichen aufbringen müssen, damit das Schriftbild Eures Buches würdig ist. Ich selbst habe von Computern nur rudimentäre Kenntnisse (ich hasse sie). Ein Freund von mir schrieb mir folgende Programme auf einen Zettel: a.) Textprogramm QuarkXPress oder InDesign b.) Titelbildcomposing: Photoshop c.) Titellayout mit Text in Illustrator Hoffentlich könnt Ihr oder Euer Kumpel was damit anfangen. Wenn nicht, so ist das auch kein Beinbruch. Auf der Höhe der Zeit befindliche Druckereien übernehmen diese Aufgabe gegen einen entsprechenden Aufpreis.

6.) Ein Taschenbuch, ca. 200 Seiten, farbiges Titelbild, gutes Papier, sollte selbst bei einer kleinen Auflage von 300 Exemplaren den Preis von 4,50 Euro (Stand 2011) pro Buch nicht übersteigen.

7.) ISBN - braucht Ihr die wirklich? Kommt darauf an, was für ein Buch Ihr geschrieben habt und wie Ihr es vermarkten wollt. Ein historischer Bildband über Eure Heimatgemeinde, das fast ausschließlich in der lokalen Buchhandlung (und evtl. über Eure Website) zu erwerben sein wird, braucht aller Wahrscheinlichkeit keine ISBN. Der Buchhändler kann Euch telefonisch erreichen, wenn er Nachschub benötigt. Ich selbst habe ISB-Nummern erst nachträglich bestellt, als ich merkte, huch, meine Bücher sind ja auch außerhalb Sachsenhausens (Schauplatz der Krimi-Geschichten) gefragt. Per Aufkleber habe ich sie dann auf die Rückseite des Umschlags platziert.  

Neu: In den letzten Jahren ist der Anteil von Manuskripten, die über Literatur-Agenturen den Weg an die Öffentlichkeit finden, immens in die Höhe geschnellt. Recherchen hierzu bitte übers Internet - zu diesem Thema ist mein Wissen sehr begrenzt.

Jetzt schreiben wir das Jahr 2011, und die Arbeit rund um den Röschen-Verlag läuft auf einer professionellen Schiene. Mittlerweile habe ich eine Druckerei ausfindig gemacht, die auch bei kleineren Auflagen bezahlbare Preise berechnet (Prisma-Druck, Saarbrücken, www.prisma-druck.de).
 
Und hier noch 2 Lektorinnen mit fairen Preisen:
Stefanie Reimann, Frankfurt/M., Mail: info@fuehrungen-frankfurt.de
Daniela Jungmeyer, Österreich, Mail: dan.jung@yahoo.de
(Natürlich richten sich die Preise nach Eurem Können. Je mehr Fehler, desto teurer, logisch) 

Schlußwort

Natürlich gibt es auch eine Reihe von Verlagen, mit denen es als Schriftsteller Spaß macht zusammenzuarbeiten. Falls ihr einen solchen gefunden habt, herzlichen Glückwunsch, und seid brav zum Verleger.